qwerty233
Ich kann jetzt (leider) noch keine Micra-Erfahrungswerte teilen, sondern mich nur auf meinen alten e-Niro beziehen. Da beide jedoch die gleiche Akku-Chemie benutzen, denke ich, dass hier Ähnlichkeiten bestehen:
Die winterlichen Minustemperaturen selbst haben nach meinen Erfahrungen keinen großartigen Einfluss auf die Reichweitenveränderung durch kalten Akku gehabt. Dafür müsste man eher noch Winterreifen und Straßenzustand mit ins Boot holen. Aber es gibt da einen anderen, gerne übersehenen Reichweitenfresser: die Heizung. Stell dir folgende Situation vor: Du kommst abends von einer längeren Fahrt bei, sagen wir mal, - 5° nachhause zurück. Die Heizung steht auf kuscheligen 22°, das Auto ist durchgewärmt und die Heizung muss nur noch die Wärme nachschieben, die durch Scheiben und Lüftung verloren geht. Dafür reicht in der Regel die Wärmepumpe alleine mit einem Verbrauch von ca. 500 Wh oder weniger.
Am nächsten Morgen steigst du wieder bei -5° Außentemperatur und den noch von gestern eingestellten molligen 22° innen in deinen Micra, startest und - oh Wunder - gegenüber letztem Abend fehlen plötzlich einige zig Km, obwohl doch alles gleich ist. Und dich beschleicht die Frage, wo diese Kilometer geblieben sind.
Nun, das ganze Phänomen ist einfach erklärt, denn es ist eben nicht alles so, wie du am Vorabend dein Auto verlassen hast. Über Nacht hat der Frost sich breit gemacht und ist im Auto in alle Ecken gekrochen. Und das bleibt natürlich der Heizungsautomatik nicht verborgen. Um die eingestellten 22° möglichst im Schweinsgalopp wieder herzustellen, reicht jetzt nicht mehr die einfache Wärmepumpe, sondern der elektrische Zuheizer (meistens als Hochvolt-PTC-Heizer ausgelegt) muss zugeschaltet werden. Und glaub mir, je größer der Temperaturunterschied zwischen Soll und Ist ausfällt, desto mehr ballert der rein und kann bei größeren Autos auch schon mal locker bis zu 7 kWh verbraten. Und diese Leistung steht jetzt natürlich nicht mehr für die Reichweite zur Verfügung. Und das wird dir dann unmissverständlich vom Bordcomputer vor Augen geführt.
Das ganze ist also ein physikalisches Phänomen, mit dem wir mit unseren e-Autos leben müssen. Die Energie, die im Akku drin steckt, können wir nur einmal verbraten. Entweder machen wir es uns schön warm, dann fehlt es hinterher an Reichweite. Oder wir begnügen uns für die Fahrt zu Bäcker um die Ecke mit Sitz- und Lenkradheizung und einer dicken Wollmütze, dann bleibt mehr für die Reichweite übrig. Und das schöne daran ist, dass es zwischen beiden Alternativen alle Abstufungen gibt und jeder für sich entscheiden kann, was ihm wichtiger ist. Ganz fein raus sind natürlich diejenigen, die mit einer Wandkiste gesegnet sind und über Fernsteuerung (so die dann irgendwann nochmals ans Laufen kommen sollte) ihr Auto mit dem Strom aus der Steckdose abtauen und vorheizen können, um dann mit schon warmem Auto, vollem Akku und moderatem Verbrauch für die Heizung in den Autotag starten können...